Vocal Modes in der Complete Vocal Technique (CVT)

Die 4 Vocal Modes der CVT

Wenn du dich mit den Grundprinzipien der Complete Vocal Technique bereits vertraut gemacht hast, kannst du hier einen groben Überblick zu den 4 Vocal Modes bekommen. Sollte das Wort Grundprinzipien bei dir Stirnrunzeln verursachen, dann lies am besten den ersten Teil nochmal.

Was ist ein Vocal Mode?

Trocken gesagt: Ein Vocal Mode ist eine bestimmte Einstellung deines Vokaltraktes. Du kannst dir aber auch einfach vorstellen, dass du je nach Stimmung, die du erzeugen möchtest bzw. je nach Lautstärke aus verschiedenen Modes wählen kannst.

In der Complete Vocal Technique unterscheiden wir 4 Vocal Modes, die du -je nachdem wie du klingen möchtest – einsetzen kannst. Jeder Vocal Mode hat seine eigenen Regeln, Vorteile und Einschränkungen. Sie unterscheiden sich durch den Anteil des „Metalls“ im Klang. Metall ist nicht wirklich erklärbar, aber du hörst es sofort. Es ist so eine Art „Klirren“ im Klang, das den Unterschied macht.

Wichtig ist aber: für alle Vocal Modes gelten die 3 Grundprinzipien (Support, Notwendiger Twang, Lippenverspannungen und vorgeschobenes Unterkiefer vermeiden), die du aus Teil 1 schon kennst. Außerdem soll es sich niemals unangenehm anfühlen, wenn du singst. Dann ist irgendetwas faul.

Welche Vocal Modes gibt es in der Complete Vocal Technique?

Die 4 Vocal Modes heißen Neutral, Curbing, Overdrive und Edge.

Aber schauen wir uns diese am besten einzeln überblicksmäßig an.

Neutral – der sanfte Mode

Neutral ist der zarteste der Vocal Modes und auch der einzige, den du mit Hauch auf der Stimme singen kannst. Bei allen anderen Modes ist Hauch tabu. Absolut tabu. Deine Stimme wird es dir danken.

Du kennst Neutral mit Hauch aus deinem Alltag, wenn du jemandem etwas ins Ohr flüsterst bzw. ohne Hauch, wenn du leise sprichst. Dieser sanfte Klang enthält kein Metall und du findest ihn indem du mit lockerem Unterkiefer singst.

In unseren Breiten ist Neutral gerade von Frauen in Chören oft zu hören. Jedenfalls verwendest du Neutral überall dort, wo du sanfter klingen magst. Generell singst du in Neutral leise bis mittellaut. Außer in der Höhe, da kannst du auch laut singen.

Curbing – der raunzerte Mode

Der „raunzerte“ Mode hat einen geringen Anteil an Metall. Stell dir vor, du fährst mit Kindern (oder mit Freundinnen) in den Urlaub und nach einer Weile werden diese unruhig und raunzen ständig: „Ich muss lulu, wann simma endlich da.“ Oder: „ich hab sooooo Bauchweh.“ Je länger du noch fährst umso klagender und raunzender wird der Tonfall.

Wenn du die Einstellung für Curbing finden möchtest, dann experimentiere einmal mit Nuancen von Jammern herum. Du wirst merken, dass du dabei irgendwie auch deine Stimme zurückhältst. Wenn das so ist, dann ist es gut. Um in Curbing zu singen, kannst du einen „Hold“ etablieren. Wenn du zufällig aus Wien bist, dann wird dir diese Übung leicht fallen ;-).

Wichtig ist, dass du – um in Curbing zu bleiben – alle Vokale in Richtung OO (wie oder), Œ (französisch Vin) oder EE (wie Edel) veränderst und dich in mittelleiser bis mittellauter Lautstärke bewegst.

Du hörst Curbing oft in Pop, Jazz und Rock bei mittlerer Lautstärke. Sehr oft auch im R&B und Soul.

Overdrive – der rufende Mode

Für mich ist das der Schlachtenbummler-Mode. Warst du schon einmal im Fussballstadion? Egal bei welcher Mannschaft, es gibt immer gemeinsame „Oleeeee, oleeee, oleee, oleee“ Gerufe auf der Tribüne. Als jemand, der am Fussballplatz aufgewachsen ist (mein Papa war Tormann), weiß ich, dass es egal ist wie groß die Fangemeinde ist. Irgendeiner gröhlt immer.

Und das mit viel Metall und in hoher Lautstärke.

Wenn du nicht fußball-affin bist, dann stell dir vor, es badlt dir jemand deine Geldbörse und du rufst ihm über die Straße nach: „heeeeeey“! Nicht nur, weil du auf den Dieb sauer bist, wirst du davor einen „Biss“ etablieren um in Overdrive zu singen.

Beim Singen setzt du Overdrive ein, wenn du laut und mit viel Metall singen möchtest.

Auch hier ist es wichtig, dass du die Vokale anpasst, wenn du in Overdrive bleiben möchtest. Die Vokale Æ (wie Erwin oder echt) und OH (wie so oder englisches „go“).

Aber Achtung: hier gibt es eine Beschränkung in der Tonhöhe. Die liegt bei D5 für Frauen (C5 für Männer). Was machst du, wenn du höher als D5 singen möchtest und trotzdem laut und metallisch? Dann wechselst du einfach zu Edge.

Edge – der scharfe Mode

Edge ist auch ein voll-metallischer Mode und kann mitunter ziemlich kreischend ausfallen. Babys, die schreien, tun das zum Beispiel in Edge. Schon daran kannst du erkennen, dass dieser Mode nicht „gefährlicher“ als ein anderer Mode ist. Babys sind selten heiser, wenn sie lange brüllen.

Den charakteristischen, scharfen Klang erzeugst du durch einen ausgeprägten Twang. Außerdem hilft dir auch hier der „Biss“ weiter, der auch für Overdrive verwendet wird. Du kannst auch eine Ente imitieren, dann findest du den Twang leichter.

Die Vokale musst du in Richtung EE (wie in Edel), Æ (wie in Echt), Ä (wie in lässig) und Ö (wie in Öhr) anpassen, wenn du in Edge bleiben möchtest. Außerdem ist es wichtig, dass du die hohe Lautstärke beibehältst.

Wie findest heraus, wann du welchen der Vocal Modes am besten einsetzt?

Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Nachdem jeder Vocal Mode seine eigenen Regeln, Vorteile und auch Beschränkungen hat, wirst du dementsprechend auswählen.

  • Welchen Charakter soll dein Sound haben: sanft, klagend, rufend oder schärfer?
  • Wie laut oder leise möchtest du singen?
  • Möchtest du mit Hauch singen?
  • Wieviel Metall soll in deinem Klang hörbar sein?

Musst du alle Vocal Modes lernen? und verwenden?

Du musst gar nichts. Wenn es dir genügt, dann kannst du ein Leben lang in Neutral mit Hauch singen. Die Frage ist nur, ob dir das nicht auf Dauer langweilig wird. Vom Publikum – falls du Bühnenambitionen hast – reden wir hier nicht.

Du bist flexibler, wenn du alle Modes einsetzen kannst. Meistens wirst du sowieso nicht nur einen Mode in einem Lied verwenden sondern variieren – außer beim Schlaflied vielleicht.

Wo findest du dich in einem Vocal Mode am einfachsten zurecht?

So wie jede Stadt hat auch jeder Vocal Mode ein „Zentrum“. Manches ist größer, manches vielleicht kleiner. Je besser du dich in einer Stadt auskennst, umso größer wird für dich das Zentrum sein. Je länger du dich dort aufhältst und die Straßen erkundest, umso besser findest du dich zurecht. Wenn du dort eine Adresse suchst, wird es dir nach einer Weile leichter fallen, diese zu finden, als in einem dir fremden Außenbezirk. So ist das auch bei den Modes.

Im Zentrum des Modes tust du dir am leichtesten. Daher ist es wichtig, dass du beim Üben die Modes unabhängig von einander trainierst und ein Gefühl dafür entwickelst, wie sich das Zentrum für dich anfühlt. Du möchtest dich schließlich auch nicht gleichzeitig in Paris, London, Wien und New York überall auskennen, sondern wirst jede Stadt einzeln erkunden.

Jede Stadt ist anders und strengt auch anders an. Also wirst du auch beim Singen in den unterschiedlichen Modes merken, dass du unterschiedlich viel Support-Energie brauchst. Wenn du in voller Lautstärke in Edge singst, dann schwitzt du wahrscheinlich mehr als beim Schlaflied in Neutral mit Hauch.

Aber ganz gleich wie viel Energie du in einem Mode aufbringen musst, im Zentrum tust du dir am leichtesten. Achte daher beim Üben darauf, dass du zuerst das Zentrum des Modes findest und verweile dort.

Mehr zum Thema Üben findest du auch hier.

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Tanja Lipp
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