Mein unkonventioneller Weg zum Vocal Coach (Teil 1)

Üblicherweise hat Frau Vocal Coach bereits als Kleinkind mindestens ein Instrument gelernt und dazu gesungen. Vielleicht gab es bei Familienfeierlichkeiten sogar kleine Vorführungen. Während der Schulzeit werden musikalische Freifächer belegt und/oder privater Unterricht genommen. Logischerweise folgt darauf ein Gesangs-Studium oder im Idealfall ein Gesangs-Pädagogik-Studium. Viele nehmen danach ihr Talent und geben es ohne pädagogische Ausbildung weiter. Das kann gut funktionieren, muss aber nicht.

Mein Weg zum Vocal Coach war anders

Als kleines Mädchen hatte ich eine Farben-Melodika. Zählt das als Instrument? „Braun, braun, braun“ war der Anfang von „Jingle Bells“ – daran erinnere ich mich gut. Gesungen habe ich gerne und oft. Noch öfter habe ich Platten gehört. Highlight meiner Kindheit: ein verregneter Nachmittag mit meinem kleinen Plattenspieler und den LPs meiner Eltern. „Joe Tex“, „Otis Redding“, „The Beatles“, „The Rolling Stones“ und „The Supremes“ haben mich geformt. Vinyltechnisch. Auf Kassette gab es „Abba“, „Bee Gees“ und selbst gestrickte Tapes aus Ö3-Sendungen mit „Dean Martin“, „Frank Sinatra“ und „Sammy Davis Jr.“ In den Ferien hüpfte das Herz, wenn das ORF Schlechtwetterprogramm einen Film mit „Caterina Valente“ zeigte.

Tanja Lipp als kleines Mädchen vor dem PlattenspielerSitzen und Hören

Ich wollte wissen, was die da singen. Jedes Wort. Texte habe ich mir rausgeschrieben und versucht zu erfassen. So habe ich auch schnell Englisch gelernt und ein Gefühl für die Sprache entwickelt. So konnte ich die Texte besser übersetzen. Hilfreich waren auch die kleinen Hefte, die es in der Trafik zu kaufen gab. Ich glaube sie haben „Songtexte“ geheißen. Da waren die Hits im Originaltext und der jeweiligen deutschen Übersetzung abgedruckt. Meine Eltern haben mich mit diesen Heften gerne im Krankheitsfall besänftigt.

Tennis statt Gitarre

Meine Eltern waren und sind sehr sportlich. Papa sogar Nationalteam-Torhüter (Herbert Stachowicz). Und sie wollten mir das auch ermöglichen. Mein Ehrgeiz hielt sich in Grenzen. Sportlich war ich wohl, aber dem Ball beim Tennis nachzulaufen, war mir schon zu mühsam. Mein Wunsch Gitarre spielen zu lernen, wurde in jungen Jahren mit einem „nein, wir haben dich gerade zu einem Tenniscamp“ im Keim erstickt. Die Form des Geräts ist ähnlich..

Jungschar als Singversuch

Im Gymnasium haben mich 2 Schulfreundinnen neugierig gemacht, weil sie von Proben für eine Aufführung in der Jungschar erzählt haben. Meine Eltern haben große Augen gemacht, als ich gesagt habe, dass ich unbedingt in die Jungschar gehen möchte. „Was willst du bitte in der Jungschar?“ Singen! „Na bitte, wenn du meinst…“. Ich war dann vielleicht 5 Mal dort. Gesungen wurde einmal im Pfarrhof. „Dona Nobis Pacem“ im Kanon. Das war beeindruckend schön. Sonst wurde immer gebastelt. Ich ging nicht mehr hin.

Dann war lange nichts

Also eine frühe Ehe, ein anspruchsvoller Job bei einem Wirtschaftstreuhänder und eine Marketingausbildung nebenbei sind nicht nichts, aber zumindest deutete nichts auf einen musikalischen Weg hin. Es schien als ob ich den Wunsch nach mehr Gesang in meinem Leben irgendwo vergessen hatte. Ich hörte zwar weiterhin aufmerksam zu, tanzte abendfüllend zur Musik und kaufte jede Menge Platten, aber das war es auch schon. Von Vocal Coach konnte no ka Red sein.

Der Turnaround

Die Ehe war vorbei. Ich begann den ersten Haken zu schlagen. Von alleine wäre ich vermutlich nie darauf gekommen, aber ein Anruf hat alles verändert. „Möchtest du gerne Background in einer Blues-Brothers Cover Band singen? Ein Arbeitskollege sucht Mädels.“, sagt eine Freundin zu mir. „Wenn du hingehst, geh ich auch“, ergänzte sie. Ich ging. Damals war ich 30 Jahre alt. Und bin 10 1/3 Jahre geblieben.

>>>hier geht es zu Teil 2

 

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